Die Restauration der Karosserie meines Babies nahm wohl am meisten Zeit und
Arbeit in Anspruch:
Türen, Kofferraumdeckel, Motorhaube und vordere Kotflügel wurden entfernt,
ebenso wie die komplette Inneneinrichtung einschließlich Armaturenbrett und Elektrik.
Obendrein wurden Front und Heckscheibe am Profilgummi entlang rausgeschnitten
und am Unterboden wurde die Kardanwelle mit Mittellager und die Auspuffanlage
rausgeschraubt.
Um einen optimalen Lackaufbau zu schaffen, sollte der ganze Lack, (nachträgliche
Verkaufslackierung und Werkslack einschließlich Werksgrundierung) bis zum blanken
Blech entfernt werden. Zuerst wurde daher alles fingerdick mit Abbeizer eingestrichen
(Innenraum und Außen). Damit das Abbeizmittel nicht antrocknet, habe wurde eine
Folie draufgedeckt und das ganze einen Tag einwirken lassen. Nun konnte man das lose
Material mit der Spachtel ablösen. Hört sich eigentlich ganz easy an, war’s aber nicht.
Diese Prozedur erforderte ca. 5 Wiederholungen, um das ganze Blech blank zu
bekommen und bei der Werksgrundierung musste ich mit grober Stahlwolle stark
nachhelfen. Für Falze, Ecken und Kante wurden hauptsächlich rotierende Draht- und
Topfbürsten verwendet. Bei dieser Arbeit kam die Wahrheit unweigerlich zum Vorschein:
Ein kleines Rostloch am linken hinteren Kotflügel (vorn über der Radabdeckung) und
eine Delle, wahrscheinlich von einem kleinen Unfall rechts am Kotflügel, die dick mit
Spachtelmasse ausgebessert wurde. Boden und Falze waren allesamt gesund und rostfrei,
was mich wiederum sehr freute. Die Delle wurde an mehreren Stellen mit dem
Gleithammer rausgezogen und das Rostloch ausgeschnitten und mit einem kleinen
Stück Blech (3x5cm) sauber verschweißt. Weil ich kein Freund von Spachtelmasse bin,
wurden alle Unebenheiten mit Karosseriezinn begradigt. Zinn haftet hervorragend,
fällt nicht ein, springt und reißt nicht. Weil somit auch keine Trocknungszeiten anfallen,
ging das eigentlich recht flott von der Hand und mit einer Spezialfeile ist das Zinn
schnell abgezogen.
Überhaupt wurden am ganzen Auto - wenn es hochkommt - ca. 100 Gramm Feinspachtel
aufgetragen! Nachdem alle Vorarbeiten geleistet wurden, zog ich mein Baby zu einem
Freund mit einer gut belüfteten Garage, wo innen und außen eine gute Grundierung
aufgespritzt und der Innenraum mit schwarzem Autolack versehen wurde.
Den anschließenden Farbauftrag in original „Georgian blue” ließ ich in einem
Lackierbetrieb zusammen mit den grundierten und nur innenseitig lackierten Kotflügeln,
Kofferraumdeckel und Türen erledigen. Dabei wurde Glasurit- Autolack mit
4 Schichten 2-K Klarlack verwendet. Der Lackierer war mit meiner Vorarbeit sehr
zufrieden, was die Kosten auch sehr reduzierte. Mein Freude war dem entsprechend
groß, als ich meinen Caddy wieder abholen durfte und ihn in seine gewohnte Garage
brachte. Der Tank wurde nun noch entfernt, der rostfreie Unterboden gesäubert und mit
schwarzem Unterbodenwachs eingestrichen. Das Wachs hat im Gegensatz zum
Unterbodenschutz nämlich den Vorteil, dass es nicht springt und somit kein Wasser
an das Bodenblech kommt. Außerdem lässt es sich wieder leicht mit Benzin entfernen,
falls in den nächsten hundert Jahren doch noch was anfallen sollte…
Die Montage werde ich Euch - zusammen mit anderen wichtigen Feinarbeiten -
im Kapitel Parts näher beschreiben.
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